Die Aufstellungsarbeit hat ihre Wurzeln in den Anfängen des 20. Jahrhunderts: Jacob Levy Moreno begründete hier das Psychodrama, eine handlungsorientierte Form der Psychotherapie. Anfangs im Gruppensetting, später auch in der Einzelarbeit, wurden die Klienten dazu angeleitet, Handlungen wie auf einer Bühne szenisch darzustellen. Über verschiedene Methoden – Rollentausch, Spiegeln, Doppeln … erarbeiteten Therapeut und Klient neue Perspektiven und Handlungsmöglichkeiten, so dass die Probleme und Schwierigkeiten der aufgestellten Szene sich in einer „Katharsis“ auflösen konnten.
Moreno ließ sich aus seiner Leitung einer Theater-Stegreifgruppe zu seiner Methode inspirieren und diese fand in vielfach veränderter Form Eingang in verschiedene humanistische Therapieformen, unter anderem in die Familientherapie.
Virginia Satir entwickelte in den 1970er Jahren die „Familienskulptur„, die gezielt mit der Aufstellung durch die Familienmitglieder des Klienten arbeitete.
Der wohl prominenteste Vertreter der „Klassischen Familienaufstellung (nach Hellinger)“ ist Bert Hellinger. Er nahm in seinen Aufstellungen ab den 1980er Jahren verschiedene Grundsätze der Familienordnung an, die sogenannten „Ordnungen der Liebe“.
Bis heute wurde die Methode angepasst, erweitert, verändert und es existiert mittlerweile ein großer Markt an Aufstellern, die die Aufstellungsarbeit auf ihre Art und Weise in ihre Arbeit integriert haben. So ist die Frage „was ist denn Aufstellungsarbeit eigentlich?“ eine durchaus berechtigte – und ich würde sagen: das hängt ganz von demjemigen ab, der die Aufstellung leitet.
- Familienaufstellung …
- Aufstellung des Inneren Teams …
- Thematische Aufstellung (Geld, Arbeit, Liebe ..) …
- Aufstellung von Beziehungen …
- Traumata und Lebenskrisen über eine Aufstellung ansehen …
- Immer wiederkehrende Schwierigkeiten mit Kollegen, Chefs …
- Fehlende Anteile erkunden und integrieren …
- Anteile, die nicht ins eigene System gehören, verabschieden …
- und vieles mehr …
Die wohl bekannteste Form der Aufstellungsarbeit ist die Familienaufstellung. Vor allem in Familien werden sehr häufig Muster, Traumata, Krankheiten, Verhaltensweisen von Generation zu Generation weitergegeben und diese können sehr belastend wirken. „Warum verhalte ich mich immer wieder so und nicht anders? Warum komme ich aus meinem Muster nicht heraus? Warum passiert mir das immer wieder?“ Solche und ähnliche führt viele Menschen zu dem Wunsch, ihre Familie aufzustellen und die Hintergründe zu erkunden.
Ganz pragmatisch betrachtet, kann man alle Lebensthemen über eine Aufstellung anschauen.
Ganz grob skizziert, beginnt eine Aufstellung immer mit einem Gespräch des Aufstellungsleiters mit dem Klienten, der aufstellen möchte. Der Klient entscheidet dabei, ob er das Gespräch offen, also im Beisein der Gruppe, oder verdeckt, also im 4-Augen-Gespräch mit dem Aufstellungsleiter, führt. Der Aufstellungsleiter möchte im Gespräch wissen, welches Anliegen der Klient mitbringt, welche wichtigen Personen / Anteile es dazu gibt und erfragt je nach Anliegen noch einige Details, die ihm ein besseres Bild der Situation des Klienten vermitteln. Im Gespräch einigt man sich schon auf die wichtigsten Personen, die aufgestellt werden sollen und ob diese benannt oder stellvertretend mit Zahlen aufgestellt werden sollen. Danach benennt der Klient die Personen aus der Gruppe, die er gern als stellvertrende Person dabei hätte. Sollte sich der Stellvertreter mit der Rolle nicht wohl fühlen, kann er die Stellvertretung auch ablehnen. Sind alle Stellvertreter gefunden, werden diese vom Klienten im Raum aufgestellt.
Der Klient kann sich auf eine „Beobachterposition“ zurückziehen und nun beginnt die Arbeit des Aufstellungsleiters.
Die Stellvertreter werden nacheinander befragt, wie es ihnen in ihrer Position geht, wie sie sich in Bezug auf die anderen Stellvertreter fühlen und auch, ob sie gerne etwas an ihrer Position / Haltung verändern wollen.
Und so nimmt die Aufstellung ihren Lauf. Die Stellvertreter agieren, der Aufstellungsleiter erspürt die nächsten Schritte hin zum Anliegen des Klienten, vergewissert sich zwischendurch beim Klienten, ergänzt fehlende Personen / Anteile / Gefühle … versucht, das Bild soweit vollständig zu machen, dass der Klient aus seiner Beobachterrolle heraus erkennt, was im Argen liegt. Aufstellungen sind oft sehr überraschend in dem, was sie aufzeigen, oft sagen die Klienten, dass es ganz anders lief, als sie es sich vorgestellt haben, teilweise ganz andere Dinge zum Vorschein brachten, die aber immer hilfreich waren.
An einem bestimmten Punkt kann der Klient selbst in die Aufstellung hineingehen und agiert mit seinem Stellvertreter zusammen.
Ist das Anliegen des Klienten – man könnte auch sagen: das Anliegen des Systems – bearbeitet, ist das spürbar. Wenn Lasten zurückgegeben, Personen gewürdigt und Anteile integriert sind, wird die Energie im Raum eine andere. Diese neue Kraft nimmt der Klient mit – und sie wirkt noch lange nach, sowohl auf den Klienten als auch auf das System.
So sind die Tage und Wochen nach einer Aufstellung sehr häufig von den Veränderungen durchdrungen, die mit dieser neuen Kraft geschehen dürfen.
Aufstellungsarbeit ist sehr intensiv. In einer Aufstellungsveranstaltung werden alle Teilnehmenden konfrontiert mit Themen wie Krieg, Fehl- oder Totgeburten, Tod von nahestehenden Menschen, Lebenskrisen und Traumen. Für mich als Aufstellungsleiterin ist es ein Anliegen, dass Sie als Teilnehmer, Teilnehmerin, Aufsteller und Aufstellerin sich emotional stabil fühlen. Es ist durchaus möglich, eine Aufstellung im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung durchzuführen – sie kann sich vielleicht sogar als ein sehr wichtiges Element erweisen, wenn im Rahmen einer Aufstellung Themen losgelassen werden können.
Fragen & Kontakt
Schreiben Sie mir gern hier Ihre Fragen oder Ihr Anliegen zur Aufstellungsarbeit. Ich freue mich auf Ihre Nachricht!
